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[infowar.de] Google ersetzt Bilder von UK-Stellungen im Irak durch Vorkriegsbilder



http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24483/1.html

Bildbereinigung durch Google Earth
Florian Rötzer 21.01.2007

Vermutlich auf Druck des britischen Militärs ersetzte Google Bilder von
britischen Stellungen im Irak durch Vorkriegsbilder

Die  Meldung (1) machte die Runde in den Medien. Angeblich würden
"Terroristen", wie der Daily Telegraph am 13. Januar  berichtete (2),
im Irak Bilder von britischen Stallungen um Basra benutzen, um diese
anzugreifen. Bei gefangen genommenen Aufständischen habe man
entsprechende Ausdrucke gefunden, in einem Fall, bei dem das Shatt al
Arab Hotel zu sehen war, waren auf die Rückseite die genauen Längen-
und Breitengrade aufgeschrieben worden. In diesem Hotel befindet sich
das Hauptquartier des Staffordshire-Regiments. Die Angreifer würden
immer genauer von großen Entfernungen aus ihre Ziele treffen.

Unklar blieb allerdings, wie alt die Bilder von Basra waren, Beweise
dafür, dass die Aufständischen ihre Angriffe, die täglich mit
Mörsergranaten erfolgen, tatsächlich aufgrund der Google Earth-Bilder
ausführten, hatte das britische Militär nicht, wie man auch einräumte.
Ein Geheimdienstoffizier hatte gesagt, dass die Existenz der Ausdrucke
Beweis genug sei: "Wer würde sonst Google Earth-Ausdrucke von einem
unserer Militärstützpunkte besitzen?"

Auf den Bildern seien Gebäude und "verwundbare Ziele" wie Zelte, Wasch-
und Toilettenblöcke oder Parkplätze für nur leicht gepanzerte Land
Rovers detailliert zu sehen gewesen. Soldaten, die in dem Hotel
stationiert sind, drohten, dass sie Google anzeigen würden, falls sie
aufgrund der Bilder getroffen würden. Und das auch, wenn Google bereits
die entsprechenden Orte auf den Bildern unkenntlich gemacht oder
gelöscht hätte. Die Terroristen hätten schließlich bereits Kenntnis
davon, wo sie Soldaten "essen, schlafen und auf die Toilette gehen".

Nun  meldet (3) der Telegraph, dass die britischen Militäreinrichtungen
im Irak nach Aufforderung durch das britische Militär aus den Bildern
entfernt worden seien, um Angriffe zu verhindern. Zuerst hätte Google
lediglich die Bilder von den Militärstützpunkten unschärfer gemacht, so
dass sich Einzelheiten nicht mehr sehen ließen. Ein Sprecher von Google
soll dem Daily Telegraph erklärt haben, dass man in Verbindung mit dem
Militär im Irak stehe und die Bitten zur Kenntnis nehme, aber über die
Gespräche nicht berichten wolle. Der Telegraph schätzt diese Antwort
offenbar nicht und schreibt mit erhobenem Finger: "Man braucht nur 30
Sekunden, um auf die Website von Google Earth zu gelangen und nach
verwundbaren Orten zu suchen."

Der deutsche Google-Sprecher Stefan Keuchl  versucht (4) das Ansehen
von Google gegenüber den Kritikern der einen Seite zu retten, während
Google diesen nachgibt: "Google Earth ist über zwei Miollionen Mal von
Menschen auf der ganzen Welt heruntergeladen worden. Die überwältigende
Mehrheit dieser Anwender nutzt das Programm in rein friedlicher
Absicht." Man könne das Bildmaterial auch von anderen Quellen erhalten.
Das stimmt, schließlich bezieht es Google von diesen.

Von Google Earth wurden allerdings die Stellen, an denen sich
Militärstützpunkte befinden, nicht geschwärzt oder sonst unkenntlich
gemacht, wie ein Blogger schnell  herausfand (5). Stattdessen hat man
statt der Bilder aus dem Jahr 2004 oder 2005 alte Satellitenbilder von
2002 eingesetzt. Das ist verständlich, da man bei Google nicht für
Angriffe von Aufständischen verantwortlich gemacht werden will,
andererseits wird damit natürlich Google Earth insgesamt fragwürdig,
weil Benutzer ohne Hinweise nie wissen können, ob Ausschnitte
bearbeitet worden sind. Offenbar hatte Google die  Satellitenbilder (6)
von  Digital Globe (7) erhalten, wo sie noch einen Tag länger zu sehen
gewesen waren, dann aber auch entfernt wurden und womöglich nur noch
durch direkte Bestellung und für mehr Geld  erhältlich (8) sind. Es
gibt Tausende von Orten im Irak und anderswo, die aus
Sicherheitsgründen "bereinigt" werden könnten und müssten. Ist erst
einmal der Damm gebrochen, muss sich Google fragen lassen, wo man
aufhören will - zumindest, ob man dies immer hinter dem Rücken der
Benutzer machen sollte. Zwei Jahre alte Bilder sollten zudem eigentlich
keinen allzu großen Informationswert mehr haben.

Nachdem der britische Register am 17. Januar darauf  aufmerksam gemacht
(9) hatte, dass sich mit einem Programm Vorher/Nachher-Bilder von
älteren und neueren Google Earth-Bildern erstellen ließen, in denen
auch die britischen Militärstützpunkte in der Version von 2004 zu sehen
waren, ist auch diese Website offline.

Der Telegraph fasst nun natürlich nach, nachdem Google sich willens
gezeigt hat, Bilder auf Druck zu ersetzen. Zwar seien in Großbritannien
einige Militärstützpunkte angeblich unscharf gemacht worden,
beispielsweise das Hauptquartier der SAS in Hereford - was Stefan
Greens allerdings mit guten Gründen  in Frage stellt (10) -, aber es
gäbe noch weitere wie den Marinestützpunkt in Portsmouth oder die
Zentrale des MI6 in London, die deutlich zu sehen seien und Terroristen
von Nutzen sein könnten. Und dann gibt es auch noch die Infrastruktur,
beispielsweise Elektrizitätswerke. Damit wird das Gefährdungspotenzial
von Google Earth prinzipiell endlos ausgedehnt.

Den Sicherheitsfantasien dürften, vornehmlich in Städten, keine Grenzen
gesetzt sein. Und wenn Google auf Wunsch des britischen Militärs Bilder
im Irak ersetzt, wie könnte sich der Konzern Wünschen von
Sicherheitskräften anderer Länder widersetzen, was auch immer sie zu
verbergen haben? Schnell könnte der genaue Blick auf die Erde, den
Google Earth für jedermann ermöglicht hat, einen Flickenteppich von
alten und neuen Bildern und von sichtbaren und unsichtbaren Zonen
weichen - möglicherweise auch ausdifferenziert für die Internetbenutzer
unterschiedlicher Länder.

LINKS

(1) http://www.heise.de/newsticker/meldung/83656
(2)
http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml?xml=/news/2007/01/13/wgoogle1
3.xml
(3) http://www.telegraph.co.uk/news/2007/01/20/wgoogle20.xml
(4) http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=070118021&phrase=google
(5) http://www.ogleearth.com/2007/01/did_google_cens.html
(6) http://www.ogleearth.com/2007/01/fixing_basra.html
(7) http://digitalglobe.com/
(8) http://www.ogleearth.com/2007/01/fixing_basra.html
(9)
http://www.theregister.co.uk/2007/01/17/google_erases_brit_bases/print.h
tml
(10) http://www.ogleearth.com/2007/01/basra_new_daily.html




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