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[infowar.de] USA drohen Journalisten in Bagdad mit Bombardierung



Infowar.de, http://userpage.fu-berlin.de/~bendrath/liste.html
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taz Nr. 7004 vom 14.3.2003, Seite 18

Wo gehobelt wird - 

- dort fallen Bomben. Auch auf Hotels in Bagdad. Das Pentagon versucht
nun, ausländische Journalisten vor Kriegsbeginn aus dem Irak zu
vertreiben 

von ANDREAS ZUMACH 

Rechtzeitig vor Beginn eines Krieges gegen Irak will die Bush-
Administatration die ausländischen Medien aus der Hauptstadt Bagdad
vertreiben. Erreicht werden soll dieses Ziel mit einer militärischen
Drohung gegen die Unterkünfte, in denen die Kameracrews, Hörfunk- und
Printjournalisten aus zahlreichen Ländern derzeit untergebracht sind -
weil dort angeblich Kommunikationsanlagen der irakischen Regierung und
der Streitkräfte untergebracht seien. Nach Informationen der taz hat das
Pentagon die drei US-amerikanischen Fernsehsender ABC, CBS, NBC, die
Kabelanstalten CNN und Fox sowie die derzeit in Bagdad mit
Korrespondenten vertretenen großen US-Zeitungen (New York Times,
Washington Post, Los Angeles Times, Wall Street Journal u. a.) darüber
informiert, dass das Al-Rachid-Hotel sowie mindestens drei weitere
Hotels, in denen ausländische Journalisten mit Genehmigung des
irakischen Informationsministerium untergebracht wurden, auf der
Zielliste für die erste Welle der Luftangriffe stehen, mit der ein
Irakkrieg nach den Planungen des Pentagons beginnen soll. Das Pentagon
sicherte den US-Medien zu, sie würden 72 Stunden vor Kriegsbeginn
informiert. Eine ähnliche informelle Zusicherung erhielt die New Yorker
UNO-Zentrale von der Bush-Administration. Nach aktuellem Stand der Dinge
könnten die ersten Luftangriffe bereits am Montag nächster Woche
beginnen.

Bis zu der Drohung des Pentagons waren die ausländischen Medien in der
irakischen Hauptstadt zu bleiben, um der Weltöffentlichkeit über diesen
Krieg zu
berichten. Aussichten auf Ausweichquartiere gibt es kaum. Daher ist
nicht auszuschließen, dass der dritte Golfkrieg weitgehend unter
Ausschluss der
Weltöffentlichkeit geführt wird. 

Schon 1991 war es zu einem Akt der Selbstzensur gekommen, der in der
Geschichte der Kriegsberichterstattung bis dato beispiellos war. Bereits
Wochen vor
Kriegsbeginn am 16. Januar hatten sich rund 95 Prozent der US-Medien auf
Knebelvereinbarungen mit dem Pentagon eingelassen - bis auf CNN und das
unabhängige Rundfunknetzwerk "Pacifica". Darin verzichteten sie auf die
Entsendung eigener Korrespondenten in das Kriegsgebiet und sagten den
Abzug bereits
entsandter Korrespondenten bis zum 16. Januar zu. 

Im Gegenzug bot das Pentagon den Medien zusätzlich zu den täglichen
Pressekonferenzen in seiner Washingtoner Zentrale regelmäßige Briefings
im damaligen Kriegshauptquartier der US-Streitkräfte in der
saudi-arabischen Hauptstadt Riad an. Dort wurden die Fernsehmedien vom
Pentagon auch mit den Videos versorgt, die der Welt damals wochenlang
den angeblich "sauberen Krieg" mit "chirurgischen Schlägen" so genannter
"intelligenter Präzisionswaffen" ohne "Kollateralschaden" unter der
Zivilbevölkerung vorgaukelte. Fast sämtliche Medien aus Europa und
anderen Weltregionen schlossen sich seinerzeit der Selbstzensur der
US-Medien an. Nur eine Hand voll von Journalisten (u. a. der
Mittelost-Korrespondent des britischen Independent, Robert Fisk) begaben
sich auf eigene Faust und unter hohem Risiko in das Kriegsgebiet und
lieferten die wenigen unabhängigen, nicht vom Pentagon kontrollierten
Berichte über den zweiten Golfkrieg. 

Aber immerhin befanden sich zu Beginn am 16. Januar 1991 im Bagdader
Al-Rachid-Hotel noch Peter Arnett und weitere Korrespondenten des
Kabelsenders CNN. Das Hotel stand damals nicht auf der Zielliste des
Pentagons für Luftangriffe. Die CNN-Korrespondenten konnten der
Weltöffentlichkeit wenigstens Bilder vom Krieg übermitteln, die sie vom
Dach des Hotels mit ihrer eigenen Kamera aufzeichnen ließen. Selbst
solche Bilder werden wir vom dritten Golfkrieg nicht zu sehen bekommen,
wenn das Kalkül des Pentagon aufgeht, dass sämtliche ausländische
Journalisten Bagdad aus Angst vor Luftangriffen auf ihre Unterkünfte
rechtzeitig vor Kriegsbeginn verlassen.

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