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[infowar.de] Kreative Kriegsroboter in Schwärmen



http://www.telepolis.de/r4/artikel/23/23575/1.html

Kreative Kriegsroboter in Schwärmen
Florian Rötzer 19.09.2006

Die meist unter der Erde befindlichen iranischen Nuklearanlagen
würden, falls es dazu kommen sollte, noch aus der Luft mit
bunkerbrechenden Raketen angegriffen werden, aber die US-Luftwaffe
setzt langfristig auf autonome Roboter

Schon länger sieht das Pentagon zunehmend das Problem, dass Waffen und
Kommandozentralen so tief und gut geschützt in Bunker unter der Erde
verlagert werden, dass sie sich mit herkömmlichen Bomben nicht mehr
zerstören lassen.  Aus diesem Grunde werden neue bunkerbrechende
Raketen entwickelt und denkt man auch an taktische Atomraketen, die die
Bunker und die in ihnen beispielsweise lagernden
Massenvernichtungsmittel zerstören sollen ( Der
militärisch-industrielle Bunker-Komplex (1)). Die US-Luftwaffe denkt
aber bereits weiter und würde gerne autonome Roboterschwärme
aussenden, die bis zu den unterirdischen Anlagen vordringen, um dieses
Ziel erreichen.

Wenn die amerikanische und/oder die israelische Regierung tatsächlich
vorhaben sollten, den Iran wegen der vermuteten nuklearen Aufrüstung
anzugreifen, dann dürfte es sich, soviel aus Plänen bekannt geworden
ist, wohl um einen Luftschlag handeln, der mit den vorhandenen
bunkerbrechenden Bomben versucht, die unterirdischen Anlagen zu
zerstören. Da diese aber weit im Iran verbreitet und erheblich
gesichert sind, wäre ein Erfolg fraglich, zumal bei einer massiven
Bombardierung auch größere Verluste in der Zivilbevölkerung
entstehen würden. Auch wenn die USA, wie sie es nach ihrer Doktrin
durchaus vorgesehen wäre ( CONPLAN 8022 (2)) selbst keine Atombomben
bzw. Mini-Nukes einsetzen würde, könnten die Bombardierung der
Nuklearanlagen - manche befinden sich nahe an Städten, manche auch in
Teheran - natürlich gleichwohl zu einer, in ihrem Ausmaß kaum
vorhersehbaren Katastrophe im Land und in der Region führen (
Szenarien für Angriffe und Gegenschläge (3)). In der Time wird gerade
wieder einmal  ausgeführt (4), wie die Ausschaltung der iranischen
Nuklearanlagen erfolgen und welche Konsequenzen dies haben könnte:

--Pentagon official says that among the known sites there are 1,500
different "aim points," which means the campaign could well require the
involvement of almost every type of aircraft in the U.S. arsenal:
Stealth bombers and fighters, B-1s and B-2s, as well as F-15s and F-16s
operating from land and F-18s from aircraft carriers... An operation of
that size would hardly be surgical. Many sites are in highly populated
areas, so civilian casualties would be a certainty...

U.S. officials believe that a campaign of several days, involving
hundreds or even thousands of sorties, could set back Iran's nuclear
program by two to three years... But it is also likely that the U.S.
could carry out a massive attack and still leave Iran with some part of
its nuclear program intact. It's possible that U.S. warplanes could
destroy every known nuclear site — while Tehran's nuclear wizards,
operating at other, undiscovered sites even deeper underground,
continued their work. "We don't know where it all is," said a White
House official, "so we can't get it all...."--

Das nach Science Fiction klingende Vorhaben der US-Luftwaffe, anstatt
Bomben oder Präzisionsraketen Roboterschwärme loszuschicken, die
gezielt, effektiv und ohne erheblichen "Kollateralschaden"
unterirdische Anlagen mitsamt den in ihnen befindlichen Menschen,
Geräten und Waffen zerstören können. In dem Text für das 2003
bewilligte Vorhaben  heißt (5) es:

--Neue militärische Bestrebungen haben die Schwierigkeit verdeutlicht,
mit konventionellen Waffen tiefgelegene Ziele zu finden und zu
zerstören, die abgeschlossen, bewacht, mobile oder sogar vergraben
sind. Beispiele dafür sind verstärkte Bunker unter der Erde,
Höhlen/Tunnel-Systeme und mobile SCUD-Abschussrampen. Mini-Roboter
könnten  solche Ziele finden, Daten sammeln, verfolgen und sogar
zerstören, aber die Roboter müssen gut koordiniert sein und über
Intelligenz verfügen, um kreative Lösungen für die Erreichung des
Ziels zu finden. Es wird eine Systemarchitektur verteilter Roboter
vorgeschlagen, mit dem es möglich wird, einen Schwarm
unterschiedlicher Roboter in ein Suchgebiet abzuwerfen, um dort
Aufklärungsmissionen bei tief gelegenen Zielen auszuführen.--

Während Architecture Technology Corporation die Hardware solcher
Roboter entwickeln soll, erhielt  Imagination Engines (6) den Auftrag,
auf der Grundlage des "Creativity Machine Paradigm" eine Software für
die "wirklich autonomen" Roboterschwärme zu entwickeln. Sie sollen mit
den bereits vorhandenen "revolutionären" neuronalen Netzen und
genetischen Algorithmen einzeln und gemeinsam lernen, neue Muster
generieren, sich weiter entwickeln und ihre Umwelt je nach Ziel
umformen können. Die militärische Anwendung ist für das Unternehmen
nur eine von vielen.

--Die weitgehend ausgereiften parallelen Algorithmen werden umgesetzt
für Hardware-basierte Steuerungssysteme für miniaturisierte
Angriffsroboter, die darauf spezialisiert sind, in tief unter der
Erdoberfläche befindliche Einrichtungen einzudringen. Die für dieses
Programm entwickelte Software kann auf kommerzielle und militärische
Roboter sowie auf Spielzeuge angewendet werden. Der Spin-off würde zu
großen Forschritten für sich selbst konfigurierende elektronische
Apparaturen, medizinische Mikroroboter und autonome Steuerungssysteme
führen, aber auch für die Echtzeit-Generation von physikalisch
glaubwürdigen virtuellen Umgebungen, gleich ob für die Unterhaltungs-
oder taktische Simulationen.--

Die von Stephen Thaler entwickelte KI soll angeblich schon
"menschenähnliche Leistungen" erzielen, wie er gegenüber Wired Online
 sagte (7), und fähig sein, einen Schwarm von Roboter zu steuern, um
in Bunker einbrechen, diese erkunden und lahm legen und dabei, sich
gegenseitig unterstützend,  unvorgesehene Hindernisse wie Schächte,
Leitungen, Türen etc. überwinden zu können. Seine Creativity Machine
brütet angeblich neue Ideen aus und erkundet Handlungspläne vor der
Ausführung. Stattet man Roboter mit neuen Fortbewegungsmitteln oder
Sensoren aus, so würden diese schnell herausfinden, wie sie diese
benutzen, ohne sie zuvor eigens programmieren zu müssen.
"Tabula-rasa-Lernen" nennt Thaler dies. Auf der Website des
Unternehmens werden  Videos (8) ein sechsfüßiger Roboter gezeigt, der
durch Experimentieren in wenigen Minuten lernt, sich fortzubewegen:

--Fully capable of autonomously learning from its own mistakes and
successes, our revolutionary neural network paradigms allow complex
robots to learn completely from scratch. In a matter of minutes, the
equivalent of 'cybernetic road kill' can learn to walk, recover from
various mishaps, or accomplish some broadly defined mission. While such
creative robots are strictly experimental at this stage and under
development for the Air Force Research Laboratory, we can tailor
similar systems for commercial and private application.--

In Simulationen sollen die virtuellen Schwarmroboter bereits
Beeindruckendes leisten. Sie würden kooperieren, um Widerstände zu
überwinden, oder sich zusammenschließen, um sich zu  verteidigen.
Einmal habe sich auch ein virtueller Roboter geopfert, um eine Wache
abzulenken und so in ein Gebäude eindringen zu können. In wenigen
Monaten wird das Pentagon das von Thaler entwickelte Programm CSMARRT
(Creative, Self-Learning, Multi-Sensory, Adaptive, Reconfigurable,
Robotics Toolbox) zur Verfügung haben, um es auf unterschiedlichen
Robotern laufen zu lassen. Getestet wurde es bereits mit kleinen
"Schaben"-Robotern. Sollten die Versprechungen von Thaler zutreffen,
dann könnten bislang dumme Roboter intelligente Schwärme bilden und
selbständig Taktiken erfinden, um die Verteidigungsmaßnahmen der
gegnerischen Menschen zu überwinden, wenn denn ihre körperliche
Leistungskraft der angeblich vorhandenen geistigen gleichzöge. Thaler
ist jedenfalls der Meinung, dass seine kreativen Roboter schon allein
durch die Geschwindigkeit, mit der sie Lösungen finden, die Leistung
ferngesteuerter Roboter weit übertreffen. Sie würden "fast auf
menschlicher Intelligenzhöhe im Terahertz-Takt arbeiten, während
unsere mit dem Joystick gesteuerten Roboter im 4 Hertz-Takt arbeiten,
der charakteristisch für das Gehirn ist".

Vermutlich wird Thaler mehr oder weniger die Kapazitäten seiner
Software übertreiben. Allerdings hat er sicherlich recht, wenn er
sagt, dass sich im Bereich der autonomen Kampfroboter, die letztlich
auch selbständig Menschen töten werden, ein neues Wettrüsten
begonnen hat. Für ihn stellt sich freilich dieses Wettrüsten, auch
zur Legitimation und Finanzierung der eigenen Forschungsarbeit, so dar,
dass man nicht mehr zurück kann, weswegen es erst einmal darauf
ankäme, schneller zu sein (was natürlich die jeweils "Guten" alle in
Anspruch nehmen). Um Thaler das letzte, allerdings weniger kreative,
eher schon archaische Wort zu geben:

--Es gibt eine Zurückhaltung, autonomen Robotern tödliche Missionen
anzuvertrauen. Aber die Bösen werden nicht dieselben Einschränkungen
machen. Die Eskalation ist unvermeidlich.--

LINKS

(1) http://www.telepolis.de/r4/artikel/18/18460/1.html
(2) http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22272/1.html
(3) http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22029/1.html
(4) http://www.time.com/time/magazine/printout/0,8816,1535316,00.html
(5) http://www.dodsbir.net/awardlist/abs031/afabs031.htm
(6) http://www.imagination-engines.com
(7) http://www.wired.com/news/technology/software/1,71779-0.html
(8) http://www.imagination-engines.com/robot_tabula_rasa.htm

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