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[infowar.de] El Dschasira schweigt zu Spitzel-Vorwürfen



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Berliner Zeitung
Mittwoch, 04. Juni 2003
Medien

El Dschasira schweigt zu Spitzel-Vorwürfen

ZDF hält an Kooperation mit arabischem Sender fest

Achim Wahrenberg und Ralf Mielke

DOHA, 3. Juni. War der Generaldirektor des arabischen Senders El
Dschasira wirklich ein Spitzel des irakischen Geheimdienstes? Wurde er
deshalb seines Postens enthoben? Und wenn ja, von wem? Oder sind die ihn
belastenden Dokumente gefälscht? Ist Dschassem el-Ali, der den Sender
seit 1996 leitete, also doch freiwillig in den Aufsichtsrat gewechselt,
wie der Sender behauptet? Oder wurde er wegen der Vorwürfe, er sei ein
Spitzel Saddam Husseins, aus der Schusslinie genommen, bevor
US-Präsident Bush in den nächsten Tagen das Emirat Katar, den Sitz des
Senders, besucht? Die Lage ist unübersichtlich, und auf die meisten
Fragen gibt es derzeit keine schlüssigen Antworten. Auch nicht vom
Sender. Kein Kommentar, heißt es in Doha. Man warte die Prüfung der
vorgelegten Akten ab. Nur so viel ist zu erfahren: Dass Dschassem el-Ali
seinen Posten aufgegeben hat, stehe in keinem Zusammenhang mit den
Überprüfungen.

Doch schon jetzt erschüttert der Verdacht gegen el-Ali und weitere
hochrangige Mitarbeiter, mit der irakischen Geheimpolizei kooperiert zu
haben, das Vertrauen in den als unabhängige Stimme Arabiens gepriesenen
Sender. Was, wenn El Dschasira tatsächlich ein "willfähriges Instrument
des irakischen Geheimdienstes" gewesen ist, wie der von den USA für ein
Regierungsamt in Bagdad favorisierte Chef des Irakischen
Nationalkongresses, Ahmed Tschalabi, behauptet? Tschalabi war es, der
die ersten belastenden Akten öffentlich gemacht hatte. Weitere Details
lieferte einige Tage später die britische Zeitung Sunday Times und das
Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Danach seien Mitarbeiter und
Korrespondenten von El Dschasira als Informanten für Saddams
Geheimdienst tätig gewesen, darunter auch der Generaldirektor el-Ali. Er
soll sich auch mit Vertretern des irakischen Geheimdienstes in Doha
getroffen haben. Um Weisungen entgegenzunehmen? Möglicherweise war der
Grund des Treffens aber auch, die Arbeitsbedingungen für El Dschasira in
Irak zu sichern.

Denn wie in nahezu allen arabischen Staaten unterlag der Sender auch in
Bagdad zahlreichen Behinderungen und Restriktionen. Während des
Irak-Krieges wurden zwei Mitarbeiter von El Dschasira kurzzeitig aus
Irak ausgewiesen. Auch die US-Regierung hat während des Irak-Krieges
mehrfach Kritik an El Dschasira geäußert. Ein Mitarbeiter des Senders
starb durch amerikanischen Raketenbeschuss. Wie es dazu kommen konnte,
ist noch ungeklärt.

Es ist sicher kein Zufall, dass die Vorwürfe gegen den Sender
ausgerechnet von Ahmed Tschalabi und ausgerechnet in einem Interview mit
Abu Dhabi TV erhoben wurden. El Dschasira hatte Tschalabi in seinen
Berichten mehrfach als "Marionette Washingtons" bezeichnet, und Abu
Dhabi TV avancierte während des Irak-Krieges zum schärfsten Konkurrenten
von El Dschasira. 

Der deutsche Kooperationspartner von El Dschasira, das ZDF, sieht bisher
keinen Anlass, die Zusammenarbeit zu beenden. Noch seien die Vorwürfe
"nicht erhärtet", sagte ZDF-Sprecher Alexander Stock. Er sehe keinen
Grund, an El Dschasira zu zweifeln. Man werde das Verhalten des Senders
aber beobachten, sagte Stock. Der Sender bezieht Bildmaterial von El
Dschasira. Erst vor kurzem wurde der Vertrag mit dem arabischen Partner
verlängert.

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